Verabredung.eu Fachvorträge?

Detailorientierte Fachvorträge - dozieren statt kokettieren

Ein gemeinsames Interessensgebiet oder ein gemeinsames Hobby sind ein guter Flirteinstieg. Ist ein Thema gefunden, zu dem beide gerne etwas beitragen, fällt eine angeregte Unterhaltung leicht. Wer sein Fachgebiet allerdings zu sehr liebt, läuft Gefahr, in die Vortragsfalle zu tappen oder auf Unverständnis zu stoßen.

„Es gibt schweigsame Menschen, die interessanter sind als die besten Redner.“ (Benjamin Disraeli, brit. Premierminister):
Eine Unterhaltung – und vor allem ein Flirt – ist immer ein Austausch. Voraussetzung für einen Dialog ist immer die gleichmäßige Beteiligung zweier Gesprächspartner. Wer also sein Fachgebiet liebt, gern darüber spricht und außerdem das Glück hat, einen ebenso interessierten Partner zu finden, sollte den Wissensaustausch nicht zugunsten eines Wissensvortrag aus den Augen verlieren. Ein Monolog fördert eine gegenseitige Annäherung selten, der Dozent kennt sein Fachgebiet, lernt aber seine Hörer kaum kennen. Vorlesungen sind im Programm der Universität daher wesentlich besser aufgehoben als im Flirt-Programm.

„Die Welt ist zu wertvoll, um sie Fachspezialisten und ihrer Sprache zu überlassen", findet der Jurist Thilo von Trotha:
Pompöse Fachausdrücke und spezifisches Wortgeklingel können Respekt einflößend wirken, aber wirken sie auch gesprächsfördernd? Wie groß ist das Verlangen, mit einem Lexikon für Fachausdrücke zu flirten? Wer sich unverständlich ausdrückt, wird auch selten verstanden und vermittelt im schlimmsten Fall seinem Gegenüber ein Gefühl von Minderwertigkeit. Für eine Diskussion unter Kollegen, für eine Dissertation oder einen Fachvortrag ist ein repräsentatives, fachbezogenes Vokabular maßgebend und wichtig, für ein anregendes, zwischenmenschliches Gespräch ist es entbehrlich. Nun soll es ja schon Frauen geben, die zu Büchern eine engere Beziehung haben als zu Schuhen. Männer, die Out-Sourcing nicht mit dem letzten Fußballländermatch in Verbindung bringen, sind auch nicht mehr so selten. Trotzdem schreckt übertriebenes Fachchinesisch ab. Auch hier liegt das Gift in der Dosis, wenn das Zuhören in Schwerstarbeit für den Kopf ausartet, muss das Herz auf der Strecke bleiben.

Wissen zu haben, bedeutet nicht, intelligent zu sein:
Fundiertes Wissen ist bewunderungswürdig und jedem tut es gut, bewundert zu werden. Wer sich allerdings auf sein Fachgebiet zurückzieht, ohne andere Gebiete auch nur zu erkunden, riskiert die Isolation. Auch das interessanteste Thema ist einmal erschöpfend behandelt. Bleibt es aber das einzige Thema ohne Alternative, stellt sich rasch Sprachlosigkeit und Langeweile ein. Ein Spezialgebiet allein ist nicht ausreichend, um für den Gesprächspartner interessant zu sein - und zu bleiben. Soll der Flirtpartner durch Intelligenz beeindruckt werden, sind fachspezifische Details leider auch zu wenig. Intelligenz ist die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen. Sie impliziert die Fähigkeit, zu verstehen und Wissen anzuwenden und nicht nur, Wissen zu besitzen.